Akt der Selbstoffenbarung

Kom·mu·ni·ka·ti·on

/Kommunikatión/

Substantiv, feminin [die]

 

Kommunikation verweist auf den lateinischen Begriff „communicare“, der sowohl bedeutet etwas mitzuteilen, als auch, etwas gemeinsam zu machen. Kommunikation findet nur in wechselseitiger Bezugnahme statt.

 

Die eigenen Gefühle angemessen einzubringen und die Gefühle anderer richtig zu erkennen und zu beachten, stellt die Grundlage für eine verantwortungsvolle Gestaltung sozialer Beziehungen dar und erfordert unter anderem die Fähigkeit, mittels Sprache auszudrücken, was erlebt, gefühlt und gewünscht wird.

Kommunikation...ein Begriff der so leicht in der Theorie zu erklären ist, aber warum scheitern wir so häufig wenn es darum geht, ihn in die Praxis umzusetzen? 

Es gibt verschiedene Gründe warum es uns so schwer fällt über unsere Gedanken, Gefühle und Wünsche offen zu reden.

Männern fällt es besonders schwer ihre Gefühle zu offenbaren aber auch wir Frauen reden nicht wirklich geradeaus und nehmen alle Ecken, Kurven und Kreisverkehre mit, weil wir immer noch meinen der andere könnte unsere Gedanken lesen. ;)

 

Auch unser soziales Umfeld trägt eine entscheidende Rolle dazu bei, wie offenherzig wir mit unseren Gedanken und Gefühlen umgehen.

Wir können noch so einen großen Freundes-und Bekanntenkreis haben, wenn unter diesen Menschen aber niemand dabei ist dem wir uns anvertrauen können, dann stehen wir letztendlich alleine mit unseren Gefühlschaos da. Und selbst wenn man das große Los gezogen hat, mit einem Menschen der einen versteht und zuhört, kann man sich nie wirklich sicher sein wie der andere reagiert.

Hört er wirklich zu, oder gibt er uns nur gut gemeinte Ratschläge? Ist er wirklich offen und tolerant, oder schaut er uns vielleicht doch kritisch an? Verfügt dieser Mensch über genügend Empathie und kann sich in uns hineinversetzen, oder bagatellisiert er die Situation die uns beschäftigt?

 

Die meisten verdrängen ihre belastenden Gedanken und Gefühle. Die Illusion, dass diese sich von alleine verflüchtigen wenn man sie nur tief genug vergräbt, ist leider noch vorhanden und wird mit aller Kraft aufrechterhalten. 

Il·lu·si·on

/Illusión/

Substantiv, feminin [die]

 

„beschönigende, dem Wunschdenken entsprechende Selbsttäuschung über einen in Wirklichkeit weniger positiven Sachverhalt“.

Die Gedanken fressen uns innerlich auf und zeigen sich auf anderer Ebene. Psychische oder körperliche Symptome wie Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Magenschmerzen oder Depressionen kommen nicht von irgendwoher.

Verdrängen ist also keine gute Idee. Aber wohin mit unseren ungeliebten Gedanken und Gefühlen? Was, wenn wir niemanden zum Reden haben? Was, wenn wir ein tieferes Verstehen der Situation erlangen möchten?

 

Der Griff zum Stift und Papier kann hier eine Lösung sein. Wir alle kennen noch das gute alte Tagebuch schreiben. Es ist auch eine Art Therapie, wir schreiben über den Tag und wie wir uns gefühlt haben.

Bei der Poesietherapie schreiben wir ausführlicher über eine bestimmte Situation die uns beschäftigt...wir schweifen ab und lassen uns auf das innerliche Drama ein. 

 

Der Begriff Poesie stammt aus dem Griechischen und bedeutet „poiesis“. Dieser Begriff umfasst in erster Instanz die Lyrik, das Drama und das Epos. Die Lyrik beschreibt ein subjektives Erleben, wo Gefühle, Gedanken und Stimmungen, mittels Reim oder Rhythmus ausgedrückt werden. Das Drama beschreibt ein Schauspiel, in dem ein tragischer Konflikt dargestellt wird und das Epos ist eine ausschweifende Erzählung.

In zweiter Instanz bezeichnet "poiesis" eine Qualität des Erlebens, wodurch sich das Denk-, Wahrnehmungs- und Erlebnisfeld der Achtsamkeit öffnet. Achtsamkeit entsteht, wenn wir jedem Augenblick seine volle Aufmerksamkeit schenken, ohne ihn bewerten oder verändern zu wollen. Das Wahrgenommene wird beobachtend festgestellt, teilnehmend registriert und wertfrei angenommen.

Eine achtsame, neugierige, wertfreie und respektvolle Annäherung an uns selbst, der Umwelt und an anderen Menschen.

 

Warum ist der Griff zum Stift und Papier so hilfreich?

Papier ist geduldig. Papier gibt keine Widerworte. Papier gibt auch keine Ratschläge...außer die eigenen. In uns finden wir nämlich die Lösung, wir kennen bereits die Antworten. Papier ist schweigsam...verbrennen wir den Zettel mit unseren Worten, erfährt niemand was in uns vorgeht. Wir können einem simplen Gegenstand zu 100% Vertrauen...wir können uns Vertrauen.

 

Wie oft passiert es mir, dass ich krampfhaft nach einer Lösung suche und meine Gedankenschleife sich immer weiter dreht.

Am Ende des Tages sitze ich mit einen dicken Brummschädel auf meiner Couch und weiß immer noch nicht weiter.

Wenn ich anfange zu schreiben, löst sich der Knoten und während ich mit den Stift über das Papier gleite, taucht die Antwort auf meine Frage auf. Ich muss niemanden um Rat fragen und mich womöglich noch völlig durcheinander bringen lassen. Die oftmals gut gemeinten Ratschläge können uns in die Irre führen. Wenn man sich in einer aufgewühlten Situation befindet, übernimmt man gerne die Meinung des Gegenübers.

Man trifft vielleicht falsche Entscheidungen und läuft in die verkehrte Richtung.

 

Es ist mir bisher immer gelungen einen Abstand zwischen der belastenden Situation und meinen aufkommenden Emotionen zu erlangen.

Man entwickelt durch das achtsame Schreiben eine größere Distanz und Toleranz seinen Gedanken und Gefühlen gegenüber. Die Wahrnehmung verändert sich und so ist es möglich, ein reflektiertes Bild von anderen Menschen und Situationen zu gewinnen.

Ich versetze mich in die andere Person hinein und verstehe wie es zu bestimmten Situationen gekommen ist. Wie oft neigen wir dazu den anderen die Schuld zu geben? Aber sind wir es nicht, die diese Situation erst bewerten und entsprechend reagieren?!

Ich frage mich immer: „Was hat das mit mir zu tun?“

 

Das Schreiben weitet den Geist und öffnet neue Perspektiven, man erkennt Zusammenhänge und kann so besser reflektieren.

Ich hole meine Schattenthemen zum Vorschein...alle längst verdrängten und ungeliebten Situationen tauchen auf und ich schreibe sie nieder.

So unbequem das auch sein mag, dass Papier urteilt nicht, denn sonst würde ich mich selbst verurteilen. Und wenn dem so ist, darf ich anfangen mich selbst anzunehmen und zu akzeptieren. Wenn wir erstmal die Situation verstanden und Abstand gewonnen haben, können wir sie annehmen. Es fällt uns leichter damit umzugehen. Alleine schon deswegen, weil wir einen riesengroßen Ballast abgeworfen haben.

Alle schweren Gedanken und Gefühle die uns bisher nach unten gezogen haben, dürfen endlich raus.

Selbst wenn es uns anfangs schwer fällt die Situation anzunehmen, befreit uns das Schreiben von den Gedanken die uns nachts nicht mehr schlafen lassen.

 

Wir öffnen uns und lassen Gefühle der Angst und Wut zu, die von der Gesellschaft so negativ bewertet werden. Hemmend für den Ausdruck und Austausch von diesen Gefühlen sind oftmals kulturelle Einstellungen und soziale Normen, die bestimmte Gefühle für akzeptabel und andere für inakzeptabel erklären. Wut ist ein wunderbarer Antreiber und kreativer Anschubser. Meine emotionalsten Texte entstanden aus Wut. :)

Ich sehe sie seitdem nicht mehr als „schlecht“ an, sie ist mein innerer Motor. Meine Angst ist ein Navigator, mein Kompass, der mir die Richtung zeigt. Wenn ich Angst verspüre, versuche ich nicht gleich vor der Situation wegzulaufen, sondern gehe durch die Angst hindurch. In genau die andere Richtung wo mich die Angst blockieren und festhalten möchte. Natürlich trifft das nicht auf alle Situationen zu, ;) einen gesunden Menschenverstand besitze ich weiterhin. Die Rede ist von zwischenmenschlichen Beziehungen, Neuanfängen aller Art oder sich einfach trauen das Wort zu erheben und sich zu zeigen. Ängste die uns blockieren und klein halten wollen.

 

Poesietherapie kann uns helfen achtsamer zu werden, wir lauschen unserer inneren Stimme und nehmen Gefühle wahr. Das Schreiben selbst fördert die Achtsamkeit und während wir schreiben beobachten wir achtsam unseren Geist. Wir fangen den "Monkey Mind" ein und bringen ihn aufs Papier. Wenn wir im Schreibfluss sind entsteht eine Geschichte. Wir schmücken diese Geschichte mit aufkommenden Bildern, nutzen unsere Phantasie und beschreiben die Worte mit unserem Gefühl, welches zum Ausdruck kommen möchte. So fühle ich mich wie von einer Welle erschlagen oder spüre, wie ich die Ketten sprenge die sich um meinen Körper gelegt haben. Ich lasse mich voll und ganz darauf ein und bewerte nichts. Ich ignoriere Grammatik und achte nicht auf Schreibweise oder gar Rechtsschreibfehler.

 

Das Schreiben ist mittlerweile zu meiner Meditation geworden...ein positiver Nebeneffekt.

Wenn mich eine Situation "triggert" nutze ich die aufkommende Energie und fange an zu schreiben. Ich beschreibe die Situation in allen Einzelheiten und es entsteht ein "Flow". Es tauchen Bilder auf, Situationen aus meiner Vergangenheit, manchmal sogar aus meiner Kindheit und Jugend. Ich nutze die Elemente - Wasser, Feuer, Luft, Erde - für meine Gefühle und beschreibe diese bis ins kleinste Detail. Ich nehme kein Blatt vor den Mund, alles darf raus was ich mir vorher nie getraut habe laut auszusprechen. 

Sobald mein Verstand einsetzt und ich überlegen muss was ich schreibe, höre ich auf und lasse alles Ruhen. Ich nehme Abstand von dem niedergeschriebenen und gebe dem ganzen Raum. Es muss sich erstmal „setzen“ bevor ich anfange meinen Text zu überarbeiten. Es ist nicht notwendig die Texte zu korrigieren und zu veröffentlichen so wie das mache. Es ist meine Leidenschaft und ich habe Freude daran gefunden sie zu teilen. Ich gebe viel über mich Preis und es kostet Mut mein Inneres zu teilen aber wenn ich nur einen einzigen Menschen inspirieren darf und zeigen kann, dass wir nicht alleine sind mit unseren Themen, dann bin ich bereit einen Seelenstriptease hinzulegen. :)

 

Wenn ihr mehr über die Poesietherapie erfahren wollt schreibt mich gerne an.



Quellennachweis:

Warum Schreiben hilft - Die Wirksamkeitsnachweise zur Poesietherapie  von Silke Heimes