Let's talk about Sex


Wenn zwei Menschen, die sich fremd waren plötzlich zulassen, dass die Schranken zwischen ihnen fallen, um sich zu fühlen und zu entdecken, machen sie eine der emotionalsten Erfahrungen im Leben“

 -Erich Fromm-


Ich muss nicht um Sex betteln, schlafe nicht mit jedem dahergelaufenen Typen, nur um meine Lust zu stillen. Bevor ich jeden Tag die Bettlaken wechsle, mache ich es mir lieber selbst und befriedige meine aufsteigende Lust. Darum geht es doch in erster Linie, oder? Die aufkommende Lust zu befriedigen, die Leidenschaft, die in uns brodelt zu stillen. Und das bitte ohne großen Aufwand, schnell und unkompliziert muss es gehen.

 

Kaum einer denkt beim Thema Sex an eine heilsame Erfahrung.

Hingabe, Kontrollverlust, sich fallen lassen...Kopf aus → Gefühl an.

Damit meine ich nicht einen billigen Porno im heimischen Schlafzimmer nachzudrehen.

Hier läuft unser Verstand auf Hochtouren und wir gehen unser Drehbuch gedanklich im Kopf durch.

 

Ein bisschen lauter stöhnen da, ein bisschen mehr "Mhhh"  hier, Bauch einziehen für die perfekte Pose, den Mund halb geöffnet und die Haare wild nach hinten werfen...und dabei immer den Mann im Blick, ob es ihm denn auch bitteschön gefällt.

 

Und die Männer? Ja die Männer ackern, als gäbe es keinen Morgen mehr...Wildes Rumgerutsche wie auf einer nie endenden Achterbahnfahrt.

Sie stehen dermaßen unter Druck, weil sie es sich zum Ziel gemacht haben im Bett abzuliefern.

Also ich weiß ja nicht wie es euch geht, mir ist nach so einer Achterbahnfahrt schwindelig und ich unterbreche dann lieber die Kirmes und verzichte auf die nächste Runde.

 

Sexualität ist etwas Heiliges, etwas Wertvolles aber sie wird in unserer Gesellschaft mit Füßen getreten. Entweder darf man gar nicht darüber reden, weil es immer noch ein so großes Tabuthema darstellt oder aber sie wird mit "höher, weiter, schneller!" assoziiert.

 

Wir begrenzen unsere Partner auf die Geschlechtsteile und vergessen häufig, dass an diesen Geschlechtsteilen ein wunderbares, einzigartiges Wesen hängt, mit all seinen Geschichten, die das Leben für ihn geschrieben hat.

 

Wir wollen nicht mehr abtauchen in die Geheimnisse und sehnlichsten Wünsche dieses Menschen.

Nein, wir ersparen uns die Arbeit und schwimmen lieber an der Oberfläche.

Doch hierbei übersehen wir, dass wir Schwimmflügel tragen...aufgeblasen vom Ego.

Unser Ego hält uns an der Oberfläche, wir treiben im Ozean und lassen uns von den aufkommenden Wellen erschlagen.

 

Unser aufgeblähtes Ego will uns schützen, weil wir eine scheiß Angst haben, verletzt zu werden.

Wir haben Angst vor wahrer Begegnung und wirklicher Verbindung. Angst uns so zu zeigen, wie wir wirklich sind, mit all unseren vermeintlichen Fehlern und Macken.

 

Ich für meinen Teil bevorzuge mittlerweile das Tauchen ;) hinab in die unergründbaren Tiefen des Ozeans. Natürlich ist es nicht sicher, es birgt so viele Gefahren aber lieber gehe ich das Risiko ein und sehe der Gefahr ins Auge, als mich mit imaginären Schwimmflügeln durch den Ozean treiben zu lassen.

 

Wir machen uns gar nicht mehr die Mühe, den anderen in seinem ganzen Sein verstehen zu wollen, ihn zu ergründen. Das ist viel zu viel Arbeit....Dann doch lieber ein halbherziges „wie geht’s dir?“ in den Raum werfen, um ganz schnell zum eigentlichen Thema zu wechseln.

 

Ich bin so müde von diesen oberflächlichen Geplänkel. Ich will nicht nur die Klamotten runter lassen, sondern meine nackte Seele zeigen dürfen.

Aber dazu gehören zwei...Wenn der eine lieber schwimmen möchte und der andere tauchen, dann bringt es nichts, dann verschwendet man nur unnötige Energie.

 

Die Hoffnung habe ich nicht aufgegeben. Sex kann etwas Heilsames und Wunderschönes sein, wenn man den passenden Tauchpartner gefunden hat. Ich verschwende meine Energie nicht mehr an Menschen, die sich nur für meine Geschlechtsteile interessieren. Nein! Da hängt eine starke Frau dran, die weiß, was sie will und die so viel mehr zu bieten hat als nur ein oberflächliches Geplänkel.

 

Sexualität ist so viel mehr als nur rein, raus.

Hier kann wahre Begegnung und Ekstase stattfinden, wenn wir sie denn zulassen.

Aber was machen wir? Wir schützen unser Herz mit dicken Mauern und werden immer mehr zu versteinerten Zinnsoldaten. Bloß keine Schwäche oder Angst zeigen und den Feind immer im Visier...als ob wir in den Krieg ziehen.

Der andere wird zum Feind, wir finden uns in Machtspielchen wieder.

Jeder versucht, seinen eigenen Selbstwert zu schützen oder durch die Niederlage des anderen aufzubauen.

Die Frauen benutzen ihren Körper als Waffe und die Männer schlüpfen in die Rolle des unnahbaren Gigolos. Und tief im Inneren, kämpfen hier zwei kleine Kinder, die sich nach Anerkennung, Liebe und Aufmerksamkeit sehnen.

 

Das haben wir nämlich alle gemeinsam, wir sehnen uns nach Anerkennung, Liebe und Aufmerksamkeit. Wir sind hungrige kleine Kinder, deren emotionales Sättigungsgefühl nie gestillt werden kann. Wir werden gierig nach diesem Kick, den uns der andere für einen kurzen Moment gibt, um dann weiterzuziehen, um es uns beim nächsten zu holen. Wir verweilen nicht lange, denn das könnte gefährlich werden. Immer schneller wechseln wir unsere Partner und Sex wird zum Massenprodukt, anstatt ihm die Exklusivität zu gebühren, den er eigentlich verdient.

 

Es ist so leicht an Sex zu kommen, da vergeht mir der Appetit.

Ich gehe keine faulen Kompromisse mehr ein. Ich entkleide mich nicht mehr vor einen Mann, der meine nackte Seele nicht zu schätzen weiß.

Wie oft habe ich mir die Finger verbrannt, weil ich mit den Feuer gespielt habe.

Vor lauter emotionaler Abhängigkeit, habe ich meine Seele an den Teufel verkauft.

 

Was ich in den letzten Jahren zusammenfassend gelernt habe, ist, meinen eigenen Selbstwert zu erkennen, meine Grenzen zu ehren und sie von nichts und niemanden einreißen zu lassen. Ich gehe keine x-beliebige Beziehung ein, nur um nicht alleine sein zu müssen. Ich hüpfe nicht von einem Bett ins nächste, nur um meine Leidenschaft zu stillen.

 

Jahrelang hatte ich eine scheiß Angst vor Verletzung und habe jede Verbindung zu einem Mann sabotiert oder habe genau die richtigen Männer angezogen, die mir meine eigene Unzulänglichkeit widergespiegelt haben.

 

Ich bin so müde und satt vom Massenangebot Sex und wage lieber den Sprung in den unergründbaren Ozean der Liebe.