Be Your Own Guru

Das Jahr 2109 neigt sich dem Ende und wie jedes Jahr blicke ich um diese Zeit auf die letzten Monate zurück.

Was waren die Lektionen? Habe ich aus den Lektionen gelernt oder drehe ich ne Extra Runde im imaginären Klassenzimmer der Schule des Lebens?

 

Ein Thema stand jedenfalls im Fokus: meine eigene Identität zu entdecken, sie liebevoll anzunehmen und ganz wichtig, sie auch zu LEBEN!

Jahrelang habe ich zu einem ganz besonderen Menschen aufgeblickt und ihn auf ein Podest gehoben.

Die Meinungen, Glaubenssätze und Verhaltensweisen ungefiltert übernommen. Mein persönlicher Guru quasi.

 

Seit über einem Jahr streife ich nun alles ab, was nicht mehr zu mir gehört.

Ich habe mir in den vergangenen Monaten Raum gegeben, mich selbst zu entdecken und zu erforschen was ICH eigentlich wirklich will.

 

Als ich angefangen habe an meiner Homepage zu basteln und meinen Fokus auf meine Visionen gerichtet habe, fing dieser Prozess heimlich im Hintergrund an zu Wirken. Ich habe davon erstmal gar nichts mitbekommen, so sehr war ich im Flow. Ich investierte sehr viel Zeit in meine Projekte und es bereitete mir so unendlich viel Freude meine Leidenschaften auszuleben. 


Neben meinen Vollzeitjob, habe ich meine eigene Website Seelenbalsam4u ins Leben gerufen. Stundenlang saß ich nach der Arbeit vorm Laptop und habe mich kreativ ausgetobt. Ich tippte meine Texte eifrig in den PC ein, um meine Seite mit den gesammelten Werken zu füllen. 

 

Ich versuchte in dieser Zeit, jedem gerecht zu werden. Insbesondere einer Person, die mich immer wieder darauf aufmerksam gemacht hat, wie wenig Zeit ich doch mit ihr verbringe. Ich erkannte, dass es an der Zeit war, mich an erster Stelle zu setzen. 


Doch diese Gewissensbisse hörten einfach nicht auf! Ich habe mir zu dieser Zeit nicht erlaubt glücklich und erfolgreich zu sein mit dem, wofür mein Herz schlägt! 

Ich bin immer wieder stehen geblieben um meinen persönlichen Guru nicht zu überholen! 


Doch über meine Seelengespräche bin ich zu meinen tiefsten Kern vorgedrungen und allmählich begriff ich, dass diese Gewissensbisse mich nur unnötig aufgehalten haben. Durch das Schreiben tauchten immer mehr Glaubenssätze auf, die ich einfach blind übernommen habe ohne zu Hinterfragen ob sie auch für mich stimmig sind. 

 

Ich habe meinen persönlichen Guru immer weniger um Rat gefragt, weil ich mir selbst die Antworten geliefert habe und aus meinen inneren heraus gehandelt habe. 

 

Von der anderen Seite viel immer öfter das Wort Distanz. Jedesmal wenn das Wort Distanz aufblitzte, löste dies ein schlechtes Gefühl in mir aus.

Wie eine Flexileine die mich immer wieder zurück zog, wenn ich mich zu weit entfernt hatte. Eine freie Entfaltung war so nicht möglich. Hierbei ging es nicht so sehr um die andere Person, sondern viel mehr um mein eigenes Gefühl. Eine Art Verpflichtung die ich mir selbst auferlegt hatte. 

 

Ich stand mir selbst im Weg und durch meine übernommenen Ansichten habe ich mich selbst blockiert. 

Gerade was Beziehungen anging, habe ich mir immer wieder selbst ein Bein gestellt. 

Bloß nicht zu viel Nähe und immer schön den Sicherheitsabstand einhalten, lautete die Devise. "Männer brauche ich nicht und eine Beziehung schon mal lange nicht". "Ich komme ja schließlich alleine klar und bin unabhängig". "Eine Beziehung, so wie die Masse sie lebt kommt für mich nicht in Frage". Diese und noch weitere Sätze habe ich vor einigen Jahren übernommen, weil sie von einer Person kamen, zu der ich hinauf geschaut habe. Doch immer wieder gab es Phasen, wo ich an diesen Sätzen innerlich zerbrochen bin. Es war so, als hätte meine Seele laut getobt und mir zugerufen: "Das bist nicht du, hör auf so zu denken!" Mein Wunsch war es, ein Commitment mit einen Mann einzugehen. Doch wie sollte dieser Wunsch in Erfüllung gehen, wenn ich diese Überzeugungen in mir trug?! 

Jeder hat seine ganz eigene Einstellung zum Thema Beziehung, jeder lebt Beziehung ganz individuell aus. Es gibt nicht nur DIE eine Wahrheit! Jede Person ist Einzigartig, jede Beziehung ist Einzigartig. Es kommt darauf an wie tolerant und offen man ist.

 

Unbewusstheit hat mich dazu veranlasst, Meinungen, Ansichten und Verhaltensweisen blind zu übernehmen. 

Ich war anfangs sehr anfällig pauschal alles toll zu finden, was mein persönlicher Guru mir vorlebte. 

Die Frage ob es denn auch für mich stimmig war, wurde eine sehr lange Zeit gekonnt von mir ignoriert.

 

Langsam aber sicher habe ich die andere Person vom Podest gehoben und ich erkannte, dass ICH mein eigener Guru bin. Das ich meinen ganz eigenen individuellen Weg gehen darf ohne schlechtes Gefühl. 

 

Dieser Prozess geschieht schleichend und es kommt vor, dass wir von unserem schlechten Gewissen geplagt werden und stehen bleiben, um auf die andere Person zu warten. Doch kaum auf gleicher Höhe angelangt, spüren wir, dass es uns weiter zieht. 


Wenn man zu sehr an der Vergangenheit festhält ist kein Wachstum möglich. Wenn man immer mehr zu sich selbst zurück findet und einen anderen Weg einschlägt, bleiben Veränderungen im Außen nun mal nicht aus. 

 

Wenn man übernommene Ansichten, Meinungen und Glaubenssätze abstreift, dann kommt die ganz eigene individuelle Identität zum Vorschein. Für die andere Person mag das dann befremdlich vorkommen, so als hätte man sich verändert aber im Grunde kehrt man wieder zu sich selbst zurück und geht neue unbekannte Wege, die den eigenen Horizont erweitern.

 

Ich treffe jetzt meine eigenen Entscheidungen, vertraue meiner inneren Stimme und meinen Gefühl, habe meine eigenen Ansichten zum Leben entwickelt und lebe sie auch frei und unbeschwert aus. 

 

Natürlich gibt es wunderbare Menschen dort draußen die uns inspirieren können aber die Gefahr besteht, dass wir unsere eigene Identität verlieren oder sogar verleugnen. Ich habe meinen Guru zum Vorbild genommen und nicht nur seine Ansichten übernommen, sondern auch bestimmte Verhaltensweisen, die mir als Ratschläge mitgegeben wurden.

 

Es ist mir nicht gelungen, die gut gemeinten Ratschläge zu befolgen. 

Wenn mich zum Beispiel eine Situation triggert, dann sieht man mir das sehr deutlich an und ich reagiere entsprechend darauf. 

Ich rege mich auch mal reflexartig über gewisse Dinge auf die mich stören und teile mich meinen Umfeld lauthals mit. 

Wenn in solchen Momenten jemand daherkommt und dir vorschlägt ruhig und gelassen zu reagieren, Ratschläge gibt wie: "das darf dich nicht touchen", glaubt man, mit einem stimmt etwas nicht. Ich bin laut, also bin ich falsch. Die logische Konsequenz war natürlich, dass ich versucht habe ruhig und leise zu sein. Was bei der anderen Person gut funktioniert hat, ging bei mir mächtig nach Hinten los.

 

Es ist mir -zur großen Überraschung- nicht gelungen, meine bis dato ungeliebten Anteile los zu werden. Ich habe mir Vorwürfe gemacht und wie eine verrückte meditiert, wenn es nicht so wie gewünscht mit Mrs. Untouchable gelaufen ist. So gerne wollte ich alles an mir abprallen lassen wie ein Buddha oder harmonisch wie ein Schmetterling durchs Leben flattern. Aber meine Identität kam immer wieder zum Vorschein....es war frustrierend. Es sind wirklich bemerkenswerte Eigenschaften, nicht umsonst wollte ich sie mir zu eigen machen aber in mir stecken nun mal andere Wesensmerkmale die ich heutzutage liebevoll annehme.

 

Wenn es in mir brodelt, dann gleiche ich eher einem Bussard im Sturzflug der sich auf die Beute stürzt, als einem friedlichen Schmetterling der von Blume zu Blume huscht. Ich kann nicht jede Konfrontation an mir vorbeiziehen lassen und müde drüber lächeln. Ich bin ein Mensch mit Emotionen und ich zeige sie sehr deutlich. Ich habe eine große Klappe und vergesse oft das Schweigen Gold ist. 

Mein Weg ist ein anderer und auch die Art und Weise wie ich ihn gehe ist völlig anders.

 

Jeder ist Einzigartig, jeder versprüht seinen ganz eigenen Duft. 

 

Passend zum Thema, möchte ich eine Geschichte teilen, die mich sehr berührt hat:

 

Akzeptiere dich selbst – Das Stiefmütterchen im Garten des Königs

Ich habe gehört: Ein König ging in seinen Garten und fand dort welke und sterbende Bäume, Sträucher und Blumen. Die Eiche sagte, sie sterbe, weil sie nicht so hoch werden könne wie die Tanne. Als der König sich der Tanne zuwandte, ließ diese die Zweige hängen, weil sie keine Trauben tragen konnte wie der Weinstock. Und der Weinstock lag im Sterben, weil er nicht blühen konnte wie die Rose. Endlich entdeckte der König das wilde Stiefmütterchen, das blühend und frisch war wie eh und je.

Auf seine Frage erhielt er folgende Antwort: „Für mich war klar, dass du ein Stiefmütterchen haben wolltest, als du mich pflanztest. Hättest du eine Eiche, einen Weinstock oder eine Rose gewollt, hättest du sie gepflanzt. Deshalb dachte ich: Da du mich hier eingepflanzt hast, sollte ich mein Bestes geben, um deinem Wunsch zu entsprechen. Und da ich ohnehin nichts anderes sein kann, als ich bin, versuche ich dies nach besten Kräften zu sein.“

Du bist hier, weil das Leben dich so braucht, wie du bist. Sonst wäre jemand anderes hier, sonst hätte dir die Schöpfung nicht geholfen hier zu sein, sie hätte dich nicht erschaffen. Du erfüllst eine wesentliche Funktion, etwas sehr Bedeutungsvolles, und zwar so, wie du bist.

Hätte Gott einen Buddha gewollt, dann hätte er so viele Buddhas produzieren können, wie er wollte. Er erschuf nur einen Buddha, das war genug. Seither hat er keinen zweiten Buddha und auch keinen zweiten Christus erschaffen. Stattdessen hat er dich erschaffen. Bedenke, wie sehr dich das Universum damit würdigt!

Du bist auserwählt – nicht Buddha, nicht Christus, nicht Krishna. Du wirst im Moment mehr gebraucht – das ist der Grund. Sie haben ihre Arbeit schon getan; sie haben das Leben mit ihrem Duft beschenkt. Nun bist du hier, um deinen Duft beizutragen.

Niemand ist jemals so wie du gewesen, und niemand wird jemals so wie du sein – einfach einzigartig, unvergleichlich. Akzeptiere dich, liebe dich, feier dich – so wie du bist. Und wenn du dich selbst feierst, beginnst du auch die Einzigartigkeit der anderen zu erkennen, die unvergleichliche Schönheit der anderen.

Liebe ist nur dann möglich, wenn man sich selbst, die anderen und die Welt voll und ganz akzeptiert. Durch Akzeptieren entsteht die Atmosphäre, in der Liebe wächst. Es ist der Boden, auf dem die Liebe erblüht. -Osho-

 

Ich wollte jahrelang eine Rose sein und habe mich immer wieder an den Dornen verletzt.

Lasst es uns wie das Stiefmütterchen handhaben und das Leben mit unserer EINZIGARTIGKEIT zum Blühen bringen!